Geistlicher Tagesimpuls zum 9. Mai 2020 von Praktikant Grzegorz Bajer

Jeder Mensch auf der Welt ist absolut einmalig. Und doch sind manche Menschen ähnlich. In den Charakterzügen der Kinder spiegelt sich oft der Charakter der Eltern. Wir sagen häufig: Er hat doch die Augen seines Vaters! Geschwister sind manchmal sogar ähnlich veranlagt. Auch Ehepaare, die schon seit langem verheiratet sind, können die Gefühle und die Stimmung der Ehefrau oder des Ehemannes schon beim ersten Blick erkennen.

Wenn Jesus im heutigen Evangelium (Joh 14, 7-14) sagt: „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist“, dann spricht er von einer Verbundenheit, die viel tiefer ist als nur eine familiäre Beziehung. Jesus und sein Vater sind in einer vollkommenen Einheit, so dass der eine in dem anderen handelt. Deswegen kann Jesus sagen: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Es ist eine Gemeinschaft, die die Wahrnehmungskraft des menschlichen Verstandes sprengt.

Ich schlussfolgere daraus, dass Gott, wenn eine Person ihn liebt und mit ihm eins zu sein wünscht, dann durch sie wirken kann. Das hat aber keineswegs als Voraussetzung, dass die Person perfekt und sündenlos zu sein braucht. Wenn ich Gott in mein Leben, in mein Herz, in meine Seele ganz reinlasse, dann werde ich eins mit ihm. Dann wird er auch durch mich handeln können. So kann ich die gleichen Werke Jesu vollbringen. So kann ich lieben, wie er geliebt hat, selbst wenn mich das auf das Kreuz führt. Diese Liebe ist und bleibt das größte Wunder der Geschichte.