Geistlicher Tagesimpuls zum 21. Mai 2020, Christi Himmelfahrt, von Pfarrer Eberhard Heinz

Liebe Mitchristen!

Es kommt vereinzelt vor, dass man zu jemandem sagt, er oder sie habe einen Himmelfahrtsblick. Damit wollen wir dann ausdrücken, dass jemand von der Realität des täglichen Lebens weg ist, diese Realität nicht mehr richtig wahrnimmt. Das Denken und Empfinden dieser Menschen ist zu sehr auf Vergangenes oder auf Utopien und Träumereien ausgerichtet. Wenn wir jemanden auf den Himmelfahrtsblick ansprechen, dann wollen wir dieser Person helfen, wieder im täglichen Leben anzukommen.

Am Fest Christi Himmelfahrt wird uns aus der Apostelgeschichte (Apg 1, 1-11) berichtet, dass die Jünger am Ölberg so einen Himmelfahrtsblick haben und dass zwei Männer in weißen Gewändern sie in die Realität zurückholen. Nachtrauern und ratlos sein dürfen sie nicht. Sie haben einen anderen Auftrag. Sie sollen den auferstandenen und erhöhten Herrn verkündigen. Denn der Herr sendet sie in alle Welt und sagt zu ihnen, dass sie Zeugen für das Heil sein sollen. An diesem Heil, das der Herr durch Tod und Auferstehung erwirkt hat, sollen nicht nur die Jünger teilhaben, sondern alle Menschen. Es darf keinen Heilsegoismus geben. Das Heil, das Leben, das Jesus Christus schenkt, ist für alle da. Durch Menschen wird diese Botschaft weitergegeben. Dass das nicht einfach ist, können wir selbst in unserer Umwelt erfahren. Die Verkünder bekommen oft Gegenwind zu spüren. Doch dürfen wir das Trostwort des Herrn nicht vergessen: Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Der Apostel Paulus hat für die Gemeinde in Ephesus (Eph, 1, 17-23) ein anderes Trostwort geschrieben. Die Kirche ist der Leib Christi und Christus ist das Haupt. Das Wort Kirche leitet sich übersetzt ab von: die zum Herrn gehören. Als Getaufte gehören wir zum Herrn und sind somit Leib Christi. Und als solche präsentieren wir den Herrn. Wenn wir uns dessen bewusst sind, spüren wir die Ehre, die uns zuteil wurde , aber auch die Verantwortung, die wir tragen. Da darf es keinen Himmelfahrtsblick geben, sondern nur den Blick in unsere Welt. Denn es gilt für uns das Wort aus dem 14. Jahrhundert als Auftrag:

„Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest. Wir sind Gottes letzte Botschaft in Taten und Worten geschrieben.“