Geistlicher Tagesimpuls zum 16. Mai 2020 von Gemeindereferentin Lucia Ring

„Singen ist doppeltes Beten“ (Augustinus)

Liebe Schwestern und Brüder,

in der heutigen Lesung wird berichtet, dass der Apostel Paulus bei seiner zweiten Missionsreise in der Stadt Troas (heutige Türkei) nachts eine Vision hatte, bei der ein Mazedonier ihn bittet: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Für Paulus war sofort klar, dass Gott ihn und seine Gefährten Silas und Timotheus gerufen hatte, dort in Mazedonien (heute Griechenland) das Evangelium zu verkünden (Apg 16,1-10). Welch ein großer Schritt! Der Glaube an Jesus Christus wird in Europa verkündet!

Mir fiel dazu eines meiner Lieblingslieder aus der Messe „Lied vom Licht“ von Gregor Linßen ein: „Wagt euch zu den Ufern“. Die Messe „Lied vom Licht“ beinhaltet eine Liedersammlung von Liedern, die in einem Jahr um das Thema „Licht“ entstanden sind. Besonders ist an dieser Messe, dass die Lieder verschiedene Charaktere haben und in unterschiedlichen Musikstilen komponiert sind (Folk, Latino, Jazz). Vielleicht kennen Sie andere bekannte Lieder aus dieser Messe, so beispielsweise „Ein Licht in dir geborgen“ oder „Und ein neuer Morgen“.

Gregor Linßen schreibt dazu: „Ich möchte mit diesen Liedern die Freude, die ich an Gott habe und das Vertrauen, das ich in ihn setze, freilassen.“ (Vorwort zur Partitur der Messe „Lied vom Licht“)

Hier zwei verschiedene Hörbeispiele: https://www.youtube.com/watch?v=lIemZtTYRpM  oder

 https://www.youtube.com/watch?v=-X37Fdgkkaw

1.       Du bist das Feuer, das den Dornbusch nicht verbrennt.

          Du bist die Stimme, die uns beim Namen nennt.

          Du bist der, der das Meer zerteilt, und schützend uns umgibt.

         Unsre Hoffnung siegt im Bund mit dir.

Der Text spricht hier für sich und bedarf keiner weiteren Deutung.

Refrain: Wagt euch zu den Ufern, stellt euch gegen den Strom,

                brecht aus euren Bahnen, vergebt ohne Zorn,

                geht auf Gottes Spuren, geht, beginnt von vorn.

                Wagt euch zu den Ufern, stellt euch gegen den Strom.

 

Der Blick auf das andere Ufer hat etwas Faszinierendes und auch Ängstigendes, zumal wenn ich mich beim Überqueren des Wassers auch noch gegen den Strom stellen muss.

Ausbrechen aus den gewohnten Bahnen, auch das macht ängstlich, denn Gewohntes gibt Sicherheit.

Wenn ich aus den gewohnten Bahnen ausbrechen will, bleiben vielleicht ungeklärte Situationen, Unausgesprochenes oder geschehene Verletzungen zurück; es ist gut, ohne Zorn zurück zu schauen und ohne Zorn zu vergeben. Erst dann werde ich innerlich frei zum Aufbruch, zum „Gehen auf Gottes Wegen“.

   

  2.     Du bist das Wasser, das dem harten Stein entspringt.

          Du bist in Brot und Wein die Kraft, die uns durchdringt.

          Du bist der, der die Fesseln sprengt, der uns vom Tod erweckt.

          Unser Glaube trägt im Bund mit dir.

3.       Du bist die Wolke, die uns durch Wüsten führt.

          Du bist die Ewigkeit, die uns im Traum berührt.

          Du bist der, der die Liebe lehrt, der Geist, der uns beseelt.

          Unser Leben zählt im Bund mit dir.

Wie ausdrucksstark, berührend und beseelt der Text geschrieben ist!

Im Bund mit einem solchen Gott, wie er in den Strophen poetisch beschrieben wird, kann ich mich getrost zu den Ufern wagen!