Geistlicher Tagesimpuls zum 12. Mai 2020 von Pfarrvikar Arduino Marra

Saulus von Tarsus, oder wie er eher bekannt ist, der Hl. Paulus hat mir immer schon imponiert, seine Gestalt mich immer schon fasziniert. Er muss wohl ein Hitzkopf gewesen sein – zumindest meine ich diesen Charakterzug zu erkennen, wenn er sich mit Barnabas anlegt, als dieser ihm seine Absicht kund tut, ihren gemeinsamen Wegbegleiter Johannes mit dem Beinamen Markus auch auf ihre zweite Missionsreise mitnehmen zu wollen, Paulus aber sich quer stellt, weil Markus sie im Stich gelassen hatte. Oder wenn er Petrus die Stirn bietet, weil er in ihm den nachgiebigen Heuchler erkennt, der sich vor den Judenchristen fürchtet, da er im Haus von Christen gewesen war, die aus dem Heidentum stammten, mit ihnen gegessen und gesprochen hatte, dies jedoch nach dem jüdischen Gesetz nicht erlaubt war.

Paulus war aber von einem brennenden Eifer erfüllt, das Evangelium Jesu zu verkünden, ob gelegen oder ungelegen, ob erfolgreich oder scheinbar erfolglos. Mit dem selben Elan, mit dem er die Christen verfolgt hatte, tritt er nach seiner Bekehrung als unerschrockener Zeuge und unermüdlicher Verkünder der Frohen Botschaft Christi auf. Durch ihn wird der Same des Christentums im Mittelmeerraum reichlich gestreut. Es wird sich auch zeigen, dass er aufsprießen und viele Früchte bringen wird.

"Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht", lesen wir im heutigen Evangelium (Joh 14, 27-31a). Diese Worte spricht Jesus zu seinen Jüngern kurz vor seinem Leidensweg, der ihn zum Tod am Kreuz führen wird. Vielleicht haben diese Worte auch den Hl. Paulus gestärkt und ermutigt angesichts des Stimmungswandels der Volksmenge. Als nämlich in Lystra durch sein Wort ein Gelähmter geheilt worden war, hielt ihn die Bevölkerung für den griechischen Gott „Hermes“ und verehrte ihn abgöttisch. Kurz danach kamen aber Juden aus den Städten, in denen er vorher gewesen war, nämlich Antiochia und Ikonion. Diesen Juden war es gelungen, die Volksmenge umzustimmen und sie dazu zu bewegen, Paulus zu steinigen. "Sie schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot" heißt es in der heutigen ersten Lesung. Er aber steht wieder auf und geht freimütig wieder in die Stadt hinein.

Man könnte nun den Paulus für einen stumpfsinnigen Fundamentalisten halten, der bereit ist, für seine Überzeugung sogar drauf zu gehen. Was ihn bewegt, ist aber nicht seine Überzeugung. Was ihn vielmehr treibt ist die Erfahrung der Begegnung mit dem Herrn des Lebens, dem Sieger über Bosheit und Tod, der Quelle des Lebens und dem Ursprung des Lichtes. Dies kann er einfach nicht verschweigen. Die erfahrene Liebe Christi für ihn, der ein Mörder war, zwingt ihn, das Evangelium zu verkünden. Diese Nachricht muss allen überbracht werden: Gott liebt jeden Menschen, sogar den Frevler.

Herr, schenke uns immer wieder neu die Erfahrung deiner erfüllenden Liebe und deiner lebenspendenden Freude auch in schwierigen Tagen, damit wir nicht müde werden, als deine Kinder in der Welt zu wirken und als deine Mitarbeiter für die Menschen ein Segen zu sein. Amen!