Geistlicher Tagesimpuls zum 11. Mai 2020 von Gemeindeassistent Robert Mandelkow

Nach der heutigen Lesung (Apg 14, 5-18) musste ich an meine eigene Schulzeit denken:

Als ich noch zur Schule ging, war ich, als Katholik, in der klaren Minderheit. Ich ging auf ein Gymnasium in Schleswig-Holstein. Häufig bot ich die Angriffsfläche für Geläster über meinen Glauben. Ich verteidigte mich gegen Beleidigungen und Behauptungen wie „Gott gibt es nicht! Das ist doch alles Quatsch! Lächerlich woran du glaubst! Wie kann man nur so dumm sein?“ und Ähnlichem. Ich fühlte mich im Stich gelassen, weil ich dachte, dass die anderen Katholiken mir nicht zur Seite standen und mich alleine ließen. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich schämten.

Ich möchte nicht behaupten, dass ich damals verfolgt wurde, wie wir es in der Lesung hören. Doch dachte ich dabei an mein Gefühl, dass ich nicht leugnen wollte, woran ich glaubte. Es ist nicht einfach, für etwas einzustehen woran man glaubt, wenn man in der Minderheit ist. Man stößt immer wieder auf Widerstand. Dennoch vertraute ich ganz fest darauf, dass der Glaube, den ich von meiner Mutter anvertraut bekommen habe, gut und richtig war. Das trug und bestärkte mich. Ich hatte damals das Glück, dass ich keiner Gewalt begegnete. 

Heute noch werden Menschen vielerorts für ihren Glauben verfolgt, gefoltert und umgebracht.

Bei diesem Satz muss ich schlucken. Das wissen wir natürlich alle und es lässt sich einfach so aussprechen. Allerdings kann ich diese Angst nicht nachempfinden. Ich habe keine Vorstellung davon, wie es ist, verfolgt zu werden. Ich kenne Menschen persönlich, die aufgrund ihres Glaubens ihr Land verlassen mussten und nicht mehr zur Familie zurückkehren dürfen, weil sie Christen werden wollten. In einem Fall soll sogar der Vater geschworen haben, das eigene Kind dafür zu töten, sollte das Kind es wagen wieder heimzukehren.

Lasst uns für die beten, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Lasst uns beten für ihre Familien und Freunde. Lasst uns auch beten für die Verfolger, dass sie realisieren, dass dies nicht der richtige Weg ist. Denn wir dürfen nicht vergessen: Diejenigen, die verfolgen, sind nicht einfach böse nach dem Prinzip, es gibt nur gut und böse. Wer weiß, welches Leid sie zu solchen Taten getrieben hat.

An dem Tag, da ich mich fürchten muss, setze ich auf dich mein Vertrauen … Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?

(PS 56,4.12)