Geistlicher Tagesimpuls zum 26. März 2020 von Gemeindereferentin Lucia Ring

„Singen ist doppeltes Beten“ Augustinus

„Ich bin da, hab keine Angst“. Diesen Satz hat bestimmt Jede und Jeder von uns in unserem Leben schon einmal gehört und vielleicht auch das Gefühl gespürt: Der- oder Diejenige ist da, mir kann nichts mehr passieren. Eine Welle der Erleichterung, ein sich-fallen-lassen können durchflutet mich in einem solchen Moment. Es verringert sich durch diesen Satz vielleicht nicht die reale aktuelle Bedrohung, jedoch mein Gefühl zu dieser akuten Situation.

Von solch einem tiefen Gefühl der Geborgenheit spricht das Lied
„Stimme, die Stein zerbricht“, zu finden unter GL 417.

Der schwedische Pfarrer und Textdichter Anders Fronstenson lenkt mit dem tiefgründig und poetisch verfassten Text des Liedes einen Blick auf tiefe Glaubenserfahrung.

Der Text spricht von der Stimme Gottes und ist inspiriert von Mk 6,50, der Stelle, in der Jesus über das Wasser zu den verängstigten Jüngern kommt und spricht: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht“.

1.       Stimme, die Stein zerbricht, kommt mir im Finstern nah,
          jemand, der leise spricht: Hab‘ keine Angst, ich bin da.

Eine Stimme, die Stein zerbricht, muss wohl sehr gewaltig sein. Sie gehört unserem großen Schöpfergott. Und dennoch spricht sie leise, macht auch in der Dunkelheit keine Angst.

2.       Sprach schon vor Nacht und Tag, vor meinem Nein und Ja.
          Stimme, die alles trägt: Hab‘ keine Angst, ich bin da.

Die Stimme Gottes war schon vor der Zeit da, sie trägt alles, auch mich.

3.       Bringt mir, wo ich auch sei, Botschaft des Neubeginns,
           nimmt mir die Furcht, macht frei, Stimme, die dein ist: Ich bin’s.

Die Stimme Gottes befreit mich von der Angst und macht mich frei: frei, einen Neuanfang zu sehen oder neue Chancen wahrzunehmen.

4.       Wird es dann wieder leer, teilen die Leere wir.
           Seh dich nicht, hör nichts mehr- und bin nicht bang. Du bist hier.

Auch die Tatsache, dass ich trotz aller Glaubens- und Gotteserfahrung wieder in die Leere fallen kann und Gottes Stimme nicht mehr wahrnehme, lässt mir nicht bange werden, weil ich weiß: Du, Gott bist hier und jetzt da.

Wenn wir das Lied hören, bemerken wir, dass die Melodie im Dreierrhythmus schwingt, wiegend, schreitend. Wie ein dreifacher Glockenschlag, ein Aufmerksam-machen, erklingen die ersten drei Töne am Anfang und in der Mitte des Liedes. Drei als heilige Zahl ist Hinweis auf den dreieinigen Gott. Viele Komponisten haben ihre Lieder über Gott im Dreierrhythmus geschrieben. Der Komponist Trond Kverno ist ebenso wie der Textdichter (und auch der deutsche Übersetzer) Pfarrer. Die Melodie wird von unten nach oben geführt und dann wieder über die Höhe zurück zum Grundton. Es wirkt wie eine Führung im Bogen, vom Anfang zum Ende, von Alpha bis Omega: nach dem Hören einer Strophe macht sich der Eindruck breit: dem ist nichts mehr hinzu zu fügen, der Melodie nicht und auch dem Text nicht, es ist alles gesagt. Und so ergeht es einem beim Hören jeder der vier Strophen. Trond Kverno hat hier eine geniale Komposition zum tiefgründigen und poetischen Text verfasst, Text und Melodie verschmelzen.

Hören Sie selbst: https://www.youtube.com/watch?v=B-_woPAhMM8

Mich hat das Lied inspiriert, aufmerksamer für die Stimme Gottes zu werden.