Brief zum Osterfest von Pfarrer Norbert Pomplun

Ostern 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

dieses Osterfest wird uns sicher für immer in Erinnerung bleiben. Führen uns sonst die eindringlichen und berührenden Liturgien dieser Tage zusammen, bilden wir jetzt keine große Gemeinschaft in unseren Kirchen, sondern kleine Hausgemeinschaften; wir können an der Liturgie teilnehmen – jedoch über den Bildschirm.

Aber vermittelt uns diese bedrängende Situation nicht auf ganz andere Weise das große Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi? In diesen Tagen müssen in vielen Ländern Menschen das Kreuz tragen: die einen, die leiden und sterben, die anderen, die ihnen beistehen und helfen. Sehr existenziell wird uns unser menschliches Dasein, das sterblich und irdisch-endlich ist, vor Augen geführt. Und auch wir spüren die Auswirkungen hautnah: Wir sind sehr eingeschränkt im sozialen und kirchlichen Leben, Menschen, die einsam sind, aber auch Familien, und viele Berufstätige kommen an ihre menschlichen und wirtschaftlichen Grenzen.

Nach Jesu Tod am Kreuz waren die Jünger ratlos und verzweifelt. Alle Worte des Lebens, die er ihnen vorher gesagt hatte, alle Heilungen und Wunder – erwiesen sie sich nicht als hohl angesichts des Todes?

Der Ostermorgen jedoch bringt die Wende, eine unglaubliche Wende! Nicht, dass nun niemand mehr leiden und sterben muss – gerade die Geschichte des christlichen Glaubens ist voller Blutzeugen. Sondern das Leben Gottes ist stärker als der Tod. Was an Ostern geschieht, bringt die Ikone wunderbar ins Bild: Christus zertritt die festverschlossenen Tore des Todes, die hier als Kreuz liegen, und zieht die aus dem Paradies vertriebenen Ureltern Adam und Eva, stellvertretend für die ganze Menschheit, aus dem Tod heraus. Er selbst erscheint in Herrlichkeit, umringt von den Heiligen, und gefesselt liegt der Tod selbst am Boden – er, der uns alle fesseln will.

Auch wenn wir uns jetzt intensiver im Karfreitag wiederfinden, lassen Sie uns das unbesiegbare göttliche Leben feiern, das Jesus selber ist und schenkt!

Wir sind in den vergangenen Wochen erfinderisch geworden und haben auch große Anstrengungen unternommen, einander zu stärken, Freude zu schenken und beizustehen – Gott vergelte all das Gute und schenke uns, dass dies zugleich der Samen für viel Segen in der kommenden Zeit sei! Und er helfe uns, weiter achtsam miteinander umzugehen und uns gegenseitig zu schützen.

Noch wissen wir nicht, wie es konkret weitergeht, wann wieder eine gewisse Normalität bei uns Einzug halten kann. Wenn uns dies zu Pfingsten geschenkt wird, werden wir das Fest besonders österlich begehen, schließlich feiern wir 50 Tage das Ostergeheimnis.

Bitte rufen Sie uns an, wenn Sie ein Gespräch oder Hilfe suchen! Und für die Beichte machen wir telefonisch einen Termin aus, sodass wir die Vorsichtsmaßnahmen einhalten können.

Auf unserer Homepage www.st-franziskus-berlin.de  finden Sie auch weiterhin die täglichen geistlichen Impulse, die Übertragungen der Gottesdienste und viele weitere Hinweise, ebenso bietet die Seite unseres Erzbistums www.erzbistumberlin.de viele Hilfen und weitere Gottesdienstübertragungen.

Christus ist auferstanden von den Toten – er erbarme sich all der Leidenden, Kämpfenden und Verstorbenen, er segne uns alle und erfülle uns mit tiefer Zuversicht und Hoffnung!

Herzlich

 

Der Brief zum Download

 

 Das Bild in voller Größe mit dem gefesselten Tod